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MANN FÜR BESONDERE EINSÄTZE

Fotos: Gregor Hesse | Text: Gregor Hesse / Sandra Moser

Was als ein Übergangsjob begann, ist für ihn inzwischen zum Traumberuf geworden – Eric Lauenstein ist Schwerlastpannenhelfer aus Leidenschaft.

Wenn Eric zu seiner Schicht antritt, geht sein Blick häufig erstmal gen oben Richtung Himmel. Nicht, dass er eine besondere Begabung als Wetterfrosch hätte, nein, vielmehr lässt sich so meistens ziemlich gut sein Arbeitstag vorhersagen. Der 28-Jährige ist Pannenhelfer und Abschlepper für Lkw bei der Dietrich GmbH direkt beim Autobahnkreuz Wenden, das größte Abschleppunternehmen der Region. „Man darf mich auch noch gelber Engel nennen, aber Bergungsprofi oder ähnliches bitte nicht – das ist mir zu hochgestochen“, gibt er sich bescheiden. Bescheiden, das passt zur Wettervorhersage des heutigen Tages: nasskalt mit einigen Schauern. Na, zumindest verspricht das schon mal kein langweiliger Tag für ihn zu werden.

Alles andere als langweilig ist auch sein bisheriger Werdegang. Als echter Thüringer Junge, machte er bei Daimler eine Ausbildung zum Lkw-Mechaniker und schloss sich dann zwei Jahre der Bundeswehr an. Nach einer aufregenden Zeit, die er nicht missen möchte, fand er eine Anstellung bei einer größeren Spedition. Dort arbeitete er als Schlosser, Verlader und „Mädchen für alles“ bis zu dem Tag, an dem die Firma Insolvenz anmelden musste. „Zum Glück hatte mein damaliger Werkstattleiter schnell einen neuen Job für sich und mich in Siegen gefunden. Einziger Haken: Ich sollte übergangsweise im Abschleppdienst mithelfen und dann später in die Werkstatt folgen“, erzählt er. Das ist inzwischen fünf Jahre her.

Der erste Gang bei Dienstbeginn führt Eric wie gewöhnlich zur Dispo, doch Zeit für einen langen Plausch mit seinen Kollegen hat er heute nicht, sein erster Einsatz wartet schon. Ein Lkw hat sich in einer Kurve festgefahren und muss aus dieser misslichen Lage befreit werden, Details folgen später. Auf geht’s ins Sauerländer Land mit Kollege Rico, der sich als Werkstattmeister zurzeit in der Ausbildung zum Pannenhelfer befindet, und dem großen schweren Berger, ein Volvo FH 4. Fast schon blind lenkt Eric das gelbe Flaggschiff der Bergerflotte über die Landstraße und erinnert sich dabei an seine Anfänge: „Der Senior, der mich damals die ersten zwei Wochen unter die Fittiche genommen hat, ließ mich selten selber fahren, denn entweder schlief er als Beifahrer ein oder langweilte sich zu Tode.“ Ohne vorher groß Erfahrung im Pannendienst zu haben, wurde er nach einem Crash-Kurs in Ladungssicherung und dem richtigen Umgang mit Kunden kurzerhand ins kalte Wasser geschmissen. „Natürlich zuerst auf kleineren Abschleppfahrzeugen, aber später kamen die ersten Aufträge im Berger und da ging mir dann schon mal die Pumpe.“ Den ersten Schwertransporter, den er abschleppen musste, wird er so schnell nicht vergessen. „Versuch mal mit 75 Kilogramm Körpergewicht aus einem Actros Titan die Kardanwelle auszubauen. Da hängst du schnell dran wie ein Putzlappen“, Eric lacht. Von der Rückfahrt mit dem selbstlenkenden Tieflader im Schlepptau gar nicht erst zu reden. Nur so viel sei gesagt: Der Zigarettenautomat an der Einfahrt zum Firmengelände hat es nur um Haaresbreite überlebt. Erfahrungen, von denen er gerne erzählt und die ihn haben reifen und erwachsen werden lassen in diesem „Übergangsjob“.

„Das ist halt nicht wie ein Mathetest, jede Situation ist sehr unterschiedlich und muss immer wieder, auch zwischendurch, neu begutachtet werden.“

Inzwischen nähert sich der Zielort und Dank erster Handybilder von der Dispo weiß Eric ungefähr, was ihn erwartet: „Bilder sind gut und geben einen ersten Überblick. Aber das Wichtigste ist, vorher in Ruhe die Situation vor Ort zu begutachten.“ Diese Ruhe, die manche seiner Kollegen beinahe beängstigend finden, strahlt er bei jeder Lenkraddrehung aus. Langsam steuert er den Volvo in die kleine Landstraße hinein und merkt nur kurz an, dass so einige Einsätze vermeidbar wären, wenn man sich seine Route vorab mal zu Fuß anschauen würde. Der stecken geblieben Lkw-Fahrer erwartet ihn schon sehnsüchtig, ein Gefühl, das Eric sehr häufig erlebt. Dabei findet er es aber immer wieder aufs Neue interessant, wie unterschiedlich die Leute doch reagieren. „Manch einem lässt schon ein Reifenschaden die Halsschlagader anschwellen, andere hingegen können noch mit einem selbstverursachten Motorschaden die Freude in Person sein“, beschreibt er.

Der Fall hier vor Ort ist schnell analysiert. Der Anhänger, der die Kurve nicht kriegt und leicht abgerutscht ist, muss mit dem Berger ein paar Meter weiter wieder auf die Straße gezogen werden. Einzige Problematik: Richtig zugreifen kann Eric nur von der anderen Seite. Also heißt es drehen, der kleinen Dorfstraße folgen und von hinten an den Einsatzort fahren. „Manchmal wundere ich mich, wie weit die Lkw-Fahrer es doch schaffen. Keine Ahnung wie er hier durchgekommen ist, das war schon sportlich“, zollt er dem Fahrer Respekt. Langsam fährt er durch die enge Passage, linker Spiegel, rechter Spiegel und der Blick nach oben, alles hat Eric im Blick. Leichte Baumschäden sind jedoch nicht immer vermeidbar. Am Ende der Straße kann man bereits den Lkw in der misslichen Lage sehen. Eric positioniert sein Fahrzeug und bereitet zusammen mit Rico die Bergung vor. Hektik? Fehlanzeige. „Das ist halt nicht wie ein Mathetest, jede Situation ist sehr unterschiedlich und muss immer wieder, auch zwischendurch, neu begutachtet werden. Schließlich wollen wir das Fahrzeug nicht, beziehungsweise nicht weiter beschädigen.“ Immer wieder überprüft Eric den Sitz der Ketten und schaut sich die Situation von allen Seiten an. Lieber einmal zu viel laufen, als einmal zu wenig, so sein Credo. Stück für Stück zieht er den Anhänger aus dem Schlamassel bis er in einer Position steht, aus der er ohne Probleme um die Kurve herumfahren kann. Ein stolzes Grinsen huscht über Erics Gesicht. In diesen Momenten merkt man, dass da jemand seine Arbeit verdammt gerne macht und das schon lange keine Übergangslösung mehr für ihn ist. Nachdem alle Hilfsmittel wieder fein säuberlich verstaut sind und allerhand Papierkram, manchmal ein lästiges, aber notwendiges Übel, erledigt ist, geht es zurück Richtung Zentrale. Doch die Dispo hat schon einen neuen Auftrag für ihn. Eine Sattelzugmaschine samt Silo-Container ist in den Graben gerutscht, meldet die Polizei. „Da habe ich wohl Recht behalten mit meiner Wettervorhersage“, schmunzelt Eric.

„Wir geben eben eine Mobilitätsgarantie und wenn es nur die Taxifahrt zum eigenen Fahrzeug ist.“

Vor Ort angekommen ist die Aufgabe schnell ersichtlich. Doch wo ist der Fahrer? Wo ist die Polizei? Einzig der Unglücks-Lkw hängt in Schräglage da und ein paar Ziegen auf der Nachbarwiese, beäugen die Situation. Fragende Blicke auch zwischen Rico und Eric. Der lässt sich aber nur kurz irritieren. Nach dem Motto Zeit ist Geld, fängt er an, alles vorzubereiten. Vorsichtshalber ruft er einen weiteren Kollegen von Dietrich hinzu. Der soll mit seinem Abschlepp-Unimog den Silo-Container zusätzlich absichern. Eric geht lieber auf Nummer sicher: „Diese Kombinationen haben einen höheren Schwerpunkt und der liegt doch schon arg schräg im Graben.“ In der Zwischenzeit wird alles abgesperrt, die Sattelzugmaschine mit Hilfsmitteln versehen und erste Balken unter die hinteren Reifen des Aufliegers gelegt. Als der Kollege Markus Prinz eintrifft, hat er eine Überraschung im Gepäck. Er gabelte den Fahrer des havarierten Fahrzeuges auf dem Weg auf. „Ja, wir geben eben eine Mobilitätsgarantie und wenn es nur die Taxifahrt zum eigenen Fahrzeug ist,“ kann Eric sich das Lachen nicht verkneifen.

Der ausländische Fahrer des Lkw begutachtet die weiteren Arbeitsschritte mit Argwohn und dokumentiert alles ausführlich mit seiner Handykamera. Auch keine Seltenheit im täglichen Geschäft. Einerseits sind viele Kunden solche Situationen nicht gewohnt und andererseits wird teilweise penibel auf jeden kleinen Schaden geachtet. Doch da ist Eric Profi: „Ich lasse mir ausführlich Zeit und kann so einerseits Schäden durchs Abschleppen minimieren und andererseits vorab die Leute über mögliche Folgen aufklären.“ An seinem hochkonzentrierten Gesicht sieht man, wie der Ehrgeiz in ihm arbeitet, so ruhig wie nur möglich und mit größter Sorgfalt seine Arbeit zu erledigen. Der Berger, als auch der Unimog, lassen sich von dem Gewicht nicht beeindrucken und ziehen gleichmäßig die Seilwinde ein. Ganz langsam, Zentimeter für Zentimeter, ruckelt der Sattelzug aus dem Graben zurück auf den Feldweg und irgendwann ist auch dieser Einsatz erledigt und einem weiteren Kunden geholfen.

Dass er, speziell im Winter, oder wenn allgemein Not am Mann ist, auch mal für seine Kollegen seine Freizeit unterbricht, gehört für Eric zum Job. „Hier kannst du nicht immer alles fest planen und Schlag fünf einfach alles stehen und liegen lassen. Trotzdem finde ich es jeden Tag aufs Neue toll, so ein geiles Arbeitsgerät zu haben und Leuten helfen zu können.“ Für ihn ist es definitiv sein Traumberuf – zumindest aktuell. Für die Zukunft möchte er sich noch nicht festlegen. „Irgendwann werden wir ja alle älter und dann kann man womöglich nicht mehr so. Das ist nämlich schon anstrengend, auch wenn es vielleicht nicht so aussieht“, gibt Eric zu bedenken. Daran verschwendet er aber jetzt gerade noch keine Gedanken und außerdem geht’s gleich weiter, der nächste Kunde wartet sicher schon irgendwo.

MANN FÜR BESONDERE EINSÄTZE

Fotos: Gregor Hesse | Text: Gregor Hesse / Sandra Moser

Was als ein Übergangsjob begann, ist für ihn inzwischen zum Traumberuf geworden – Eric Lauenstein ist Schwerlastpannenhelfer aus Leidenschaft.

Wenn Eric zu seiner Schicht antritt, geht sein Blick häufig erstmal gen oben Richtung Himmel. Nicht, dass er eine besondere Begabung als Wetterfrosch hätte, nein, vielmehr lässt sich so meistens ziemlich gut sein Arbeitstag vorhersagen. Der 28-Jährige ist Pannenhelfer und Abschlepper für Lkw bei der Dietrich GmbH direkt beim Autobahnkreuz Wenden, das größte Abschleppunternehmen der Region. „Man darf mich auch noch gelber Engel nennen, aber Bergungsprofi oder ähnliches bitte nicht – das ist mir zu hochgestochen“, gibt er sich bescheiden. Bescheiden, das passt zur Wettervorhersage des heutigen Tages: nasskalt mit einigen Schauern. Na, zumindest verspricht das schon mal kein langweiliger Tag für ihn zu werden.

Alles andere als langweilig ist auch sein bisheriger Werdegang. Als echter Thüringer Junge, machte er bei Daimler eine Ausbildung zum Lkw-Mechaniker und schloss sich dann zwei Jahre der Bundeswehr an. Nach einer aufregenden Zeit, die er nicht missen möchte, fand er eine Anstellung bei einer größeren Spedition. Dort arbeitete er als Schlosser, Verlader und „Mädchen für alles“ bis zu dem Tag, an dem die Firma Insolvenz anmelden musste. „Zum Glück hatte mein damaliger Werkstattleiter schnell einen neuen Job für sich und mich in Siegen gefunden. Einziger Haken: Ich sollte übergangsweise im Abschleppdienst mithelfen und dann später in die Werkstatt folgen“, erzählt er. Das ist inzwischen fünf Jahre her.

Der erste Gang bei Dienstbeginn führt Eric wie gewöhnlich zur Dispo, doch Zeit für einen langen Plausch mit seinen Kollegen hat er heute nicht, sein erster Einsatz wartet schon. Ein Lkw hat sich in einer Kurve festgefahren und muss aus dieser misslichen Lage befreit werden, Details folgen später. Auf geht’s ins Sauerländer Land mit Kollege Rico, der sich als Werkstattmeister zurzeit in der Ausbildung zum Pannenhelfer befindet, und dem großen schweren Berger, ein Volvo FH 4. Fast schon blind lenkt Eric das gelbe Flaggschiff der Bergerflotte über die Landstraße und erinnert sich dabei an seine Anfänge: „Der Senior, der mich damals die ersten zwei Wochen unter die Fittiche genommen hat, ließ mich selten selber fahren, denn entweder schlief er als Beifahrer ein oder langweilte sich zu Tode.“ Ohne vorher groß Erfahrung im Pannendienst zu haben, wurde er nach einem Crash-Kurs in Ladungssicherung und dem richtigen Umgang mit Kunden kurzerhand ins kalte Wasser geschmissen. „Natürlich zuerst auf kleineren Abschleppfahrzeugen, aber später kamen die ersten Aufträge im Berger und da ging mir dann schon mal die Pumpe.“ Den ersten Schwertransporter, den er abschleppen musste, wird er so schnell nicht vergessen. „Versuch mal mit 75 Kilogramm Körpergewicht aus einem Actros Titan die Kardanwelle auszubauen. Da hängst du schnell dran wie ein Putzlappen“, Eric lacht. Von der Rückfahrt mit dem selbstlenkenden Tieflader im Schlepptau gar nicht erst zu reden. Nur so viel sei gesagt: Der Zigarettenautomat an der Einfahrt zum Firmengelände hat es nur um Haaresbreite überlebt. Erfahrungen, von denen er gerne erzählt und die ihn haben reifen und erwachsen werden lassen in diesem „Übergangsjob“.

„Das ist halt nicht wie ein Mathetest, jede Situation ist sehr unterschiedlich und muss immer wieder, auch zwischendurch, neu begutachtet werden.“

Inzwischen nähert sich der Zielort und Dank erster Handybilder von der Dispo weiß Eric ungefähr, was ihn erwartet: „Bilder sind gut und geben einen ersten Überblick. Aber das Wichtigste ist, vorher in Ruhe die Situation vor Ort zu begutachten.“ Diese Ruhe, die manche seiner Kollegen beinahe beängstigend finden, strahlt er bei jeder Lenkraddrehung aus. Langsam steuert er den Volvo in die kleine Landstraße hinein und merkt nur kurz an, dass so einige Einsätze vermeidbar wären, wenn man sich seine Route vorab mal zu Fuß anschauen würde. Der stecken geblieben Lkw-Fahrer erwartet ihn schon sehnsüchtig, ein Gefühl, das Eric sehr häufig erlebt. Dabei findet er es aber immer wieder aufs Neue interessant, wie unterschiedlich die Leute doch reagieren. „Manch einem lässt schon ein Reifenschaden die Halsschlagader anschwellen, andere hingegen können noch mit einem selbstverursachten Motorschaden die Freude in Person sein“, beschreibt er.

Der Fall hier vor Ort ist schnell analysiert. Der Anhänger, der die Kurve nicht kriegt und leicht abgerutscht ist, muss mit dem Berger ein paar Meter weiter wieder auf die Straße gezogen werden. Einzige Problematik: Richtig zugreifen kann Eric nur von der anderen Seite. Also heißt es drehen, der kleinen Dorfstraße folgen und von hinten an den Einsatzort fahren. „Manchmal wundere ich mich, wie weit die Lkw-Fahrer es doch schaffen. Keine Ahnung wie er hier durchgekommen ist, das war schon sportlich“, zollt er dem Fahrer Respekt. Langsam fährt er durch die enge Passage, linker Spiegel, rechter Spiegel und der Blick nach oben, alles hat Eric im Blick. Leichte Baumschäden sind jedoch nicht immer vermeidbar. Am Ende der Straße kann man bereits den Lkw in der misslichen Lage sehen. Eric positioniert sein Fahrzeug und bereitet zusammen mit Rico die Bergung vor. Hektik? Fehlanzeige. „Das ist halt nicht wie ein Mathetest, jede Situation ist sehr unterschiedlich und muss immer wieder, auch zwischendurch, neu begutachtet werden. Schließlich wollen wir das Fahrzeug nicht, beziehungsweise nicht weiter beschädigen.“ Immer wieder überprüft Eric den Sitz der Ketten und schaut sich die Situation von allen Seiten an. Lieber einmal zu viel laufen, als einmal zu wenig, so sein Credo. Stück für Stück zieht er den Anhänger aus dem Schlamassel bis er in einer Position steht, aus der er ohne Probleme um die Kurve herumfahren kann. Ein stolzes Grinsen huscht über Erics Gesicht. In diesen Momenten merkt man, dass da jemand seine Arbeit verdammt gerne macht und das schon lange keine Übergangslösung mehr für ihn ist. Nachdem alle Hilfsmittel wieder fein säuberlich verstaut sind und allerhand Papierkram, manchmal ein lästiges, aber notwendiges Übel, erledigt ist, geht es zurück Richtung Zentrale. Doch die Dispo hat schon einen neuen Auftrag für ihn. Eine Sattelzugmaschine samt Silo-Container ist in den Graben gerutscht, meldet die Polizei. „Da habe ich wohl Recht behalten mit meiner Wettervorhersage“, schmunzelt Eric.

„Wir geben eben eine Mobilitätsgarantie und wenn es nur die Taxifahrt zum eigenen Fahrzeug ist.“

Vor Ort angekommen ist die Aufgabe schnell ersichtlich. Doch wo ist der Fahrer? Wo ist die Polizei? Einzig der Unglücks-Lkw hängt in Schräglage da und ein paar Ziegen auf der Nachbarwiese, beäugen die Situation. Fragende Blicke auch zwischen Rico und Eric. Der lässt sich aber nur kurz irritieren. Nach dem Motto Zeit ist Geld, fängt er an, alles vorzubereiten. Vorsichtshalber ruft er einen weiteren Kollegen von Dietrich hinzu. Der soll mit seinem Abschlepp-Unimog den Silo-Container zusätzlich absichern. Eric geht lieber auf Nummer sicher: „Diese Kombinationen haben einen höheren Schwerpunkt und der liegt doch schon arg schräg im Graben.“ In der Zwischenzeit wird alles abgesperrt, die Sattelzugmaschine mit Hilfsmitteln versehen und erste Balken unter die hinteren Reifen des Aufliegers gelegt. Als der Kollege Markus Prinz eintrifft, hat er eine Überraschung im Gepäck. Er gabelte den Fahrer des havarierten Fahrzeuges auf dem Weg auf. „Ja, wir geben eben eine Mobilitätsgarantie und wenn es nur die Taxifahrt zum eigenen Fahrzeug ist,“ kann Eric sich das Lachen nicht verkneifen.

Der ausländische Fahrer des Lkw begutachtet die weiteren Arbeitsschritte mit Argwohn und dokumentiert alles ausführlich mit seiner Handykamera. Auch keine Seltenheit im täglichen Geschäft. Einerseits sind viele Kunden solche Situationen nicht gewohnt und andererseits wird teilweise penibel auf jeden kleinen Schaden geachtet. Doch da ist Eric Profi: „Ich lasse mir ausführlich Zeit und kann so einerseits Schäden durchs Abschleppen minimieren und andererseits vorab die Leute über mögliche Folgen aufklären.“ An seinem hochkonzentrierten Gesicht sieht man, wie der Ehrgeiz in ihm arbeitet, so ruhig wie nur möglich und mit größter Sorgfalt seine Arbeit zu erledigen. Der Berger, als auch der Unimog, lassen sich von dem Gewicht nicht beeindrucken und ziehen gleichmäßig die Seilwinde ein. Ganz langsam, Zentimeter für Zentimeter, ruckelt der Sattelzug aus dem Graben zurück auf den Feldweg und irgendwann ist auch dieser Einsatz erledigt und einem weiteren Kunden geholfen.

Dass er, speziell im Winter, oder wenn allgemein Not am Mann ist, auch mal für seine Kollegen seine Freizeit unterbricht, gehört für Eric zum Job. „Hier kannst du nicht immer alles fest planen und Schlag fünf einfach alles stehen und liegen lassen. Trotzdem finde ich es jeden Tag aufs Neue toll, so ein geiles Arbeitsgerät zu haben und Leuten helfen zu können.“ Für ihn ist es definitiv sein Traumberuf – zumindest aktuell. Für die Zukunft möchte er sich noch nicht festlegen. „Irgendwann werden wir ja alle älter und dann kann man womöglich nicht mehr so. Das ist nämlich schon anstrengend, auch wenn es vielleicht nicht so aussieht“, gibt Eric zu bedenken. Daran verschwendet er aber jetzt gerade noch keine Gedanken und außerdem geht’s gleich weiter, der nächste Kunde wartet sicher schon irgendwo.