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SCHWER VERLIEBT

Fotos & Text: Sandra Moser

Große Kräne, gigantische Lasten, Sattelzüge mit vielen Achsen, tägliche neue Aufgabenstellungen und dabei fast immer was zu lachen – deshalb lieben Stephan und Thorsten Ludwig ihren Job.

Es regnet. Bindfäden. „Bei schönem Wetter kann es ja jeder“, Stephan Ludwig lächelt, obwohl das Regenwasser von seinem roten Helm in seinen Jackenkragen tropft. Es, das ist heute das Verladen von zwei jeweils knapp 200 Tonnen schweren Schiffsdieseln, die vom Heilbronner Hafen aus per Lastenkahn zu einer Werft nach Norddeutschland transportiert werden. An der Kai-Kante bringt Kranfahrer Jens Schmidt gerade seinen Liebherr 350 LTM 1350 6.1 in Position und daneben fährt ein Actros 2855 Sattelschlepper mit Ausrüstungsmaterial für den Kran vor. Aus dem Fahrerhaus steigt Thorsten Ludwig, Stephans jüngerer Bruder. Beide arbeiten als Lkw-Fahrer für Kranbegleitung und Maschinenmontage bei der Scholpp Kran & Transport GmbH aus Stuttgart und rüsten den Liebherr für die anstehende Aufgabe.

Die Begeisterung für tonnenschwere Kräne und Lkw-Gespanne mit ganz vielen Lenkachsen liegt bei Stephan und Thorsten in der Familie. Denn die zwei machen das schon in dritter Generation. Angefangen hat alles mit ihrem Großvater Manfred, der bereits Ende der 1960er Jahren mit einem der ersten Teleskopkrane Europas für Scholpp unterwegs war. „Den Grove TM 225 hatte Scholpp damals aus den USA importiert und später stand er sogar eine Weile im Technikmuseum Sinsheim“, erzählt Stephan. „Unserem Opa folgten sein Sohn und seine Schwiegersöhne. Einer davon ist Thomas, unser Vater. Er ist jetzt Teamleiter Minikrane“, ergänzt Thorsten. Dass früher ihre Großmutter und eine Tante ebenfalls bei Scholpp im Büro arbeiteten, fällt ihnen auch noch ein, als sie kurz darüber nachdenken. Noch jemand vergessen? „Na, jedenfalls war immer irgendwie die halbe Familie auf dem Firmengelände zugange und wir als Kinder natürlich mit dabei. Da musste das ja fast so kommen“, bringt Stephan die Geschichte der familiären Verbundenheit zu ihrem Arbeitgeber auf den Punkt, zuckt ergeben mit den Schultern und zwinkert mit einem Auge. Der 32-Jährige ist seit elf Jahren bei Scholpp, sein 27-jähriger Bruder mit einer kleinen Unterbrechung seit sechs Jahren. Kollege Gerhard Krieg, der heute das Begleitfahrzeug für Kran und Sattelzüge fährt und selbst schon Jahrzehnte bei Scholpp arbeitet, erinnert sich noch gut an ihren Opa und an die zwei, als sie noch Kinder waren: „Der hier“, sagt Gerhard und knufft Stephan in die Seite, „ist als kleiner Knirps immer mit dem Bobby-Car in den Hallen rumgedüst.“ „Ja, und wenn ich keinen Anhänger dazu hatte, hab’ ich geheult“, grinst Stephan. „Das machst du doch heute auch noch so“, neckt ihn Thorsten. Die drei lachen lauthals los.

Denkt man in so einem Moment nicht manchmal über einen gepflegten Bürojob nach? „Nein! Absolut nicht.“

Für das Verladen der riesigen Motoren braucht es wegen der großen Auslage beim Hinabheben in das Lastenschiff einen zweiten Kran. Der Terex AC 500-2 und seine Mannschaft kommen aus der Scholpp-Niederlassung in Karlsruhe und stecken noch im Stau auf der Autobahn. Die Wartezeit nutzen Stephan, Thorsten, Gerhard und Jens für einen kurzen Abstecher zum nahegelegenen Raiffeisen-Werk, wo auch Werksfremde einen Kaffee und ein belegtes Brötchen kaufen können. „Die Rangliste der bemerkenswertesten Aufträge, die wir bisher hatten, hängt selbstverständlich davon ab, wo die beste Kantine war“, erklärt Thorsten dabei ganz trocken und breit grinsend, „Verpflegung ist schließlich wichtig.“ Wieder lacht die ganze Truppe schallend. In Sachen Futter und Humor sind sie sich offensichtlich einig.

Während es weiter regnet und der zweite Kran noch immer auf sich warten lässt, sitzen die vier im BF 3 und diskutieren über die denkwürdigsten Jobs bisher. Der Laptop kommt auf den Ablagetisch, eine umfangreiche Bildershow mit vielen verschiedensten Einsätzen startet und alle fangen ganz beseelt zu lächeln an. „Hier.“ „Oder da.“ „Oder das.“ An den imposanten Fotos vom 350er-Kran mit aufgesetzter Wippe, eine neigbare Verlängerung des Teleskopauslegers aus Gittermastelementen, bleiben die Kollegen hängen. „Oh, ja, das war auch so ne’ Nummer.“ Um genau zu sein: Im bayrischen Altusried die riesigen Rotorblätter von Windrädern austauschen. Stephan erinnert sich: „Da scheinte genau am ersten Tag die Sonne, den Rest der Woche hat’s geschüttet. Wir waren zum Übernachten im Hotel, aber in den Lkw hing bei Standheizung alles voll mit Klamotten zum Trocknen.“ Am Ende ging der ganze Trupp sogar gesammelt los und kaufte sich Gummistiefel, weil die Arbeitsschuhe nicht mehr dichthielten. Denkt man in so einem Moment nicht manchmal über einen gepflegten Bürojob nach? „Nein! Absolut nicht. Das ginge für uns gar nicht“, antworten beide Brüder sofort.

„Lkw-Fahren oder mit den Händen werkeln beim Aufbau eines Krans, das mag ich einfach. Ruhig rumsitzen ist nicht mein Ding “, beschreibt Thorsten das was ihm an seinem Job gefällt. Sein Bruder sieht es ganz ähnlich: „Mich fasziniert nach wie vor die Krantechnik, mit der wir täglich umgehen, und was man damit alles „schaffen“ und bewegen kann. Außerdem fahre ich total gern mit meinem festen Lkw und ich verbringe öfters Zeit in der Werkstatt und bastle was daran rum oder pflege ihn.“ Wie beim heutigen Einsatz sind die Brüder meistens im gleichen Team zusammen unterwegs und das sogar am liebsten. „Manchmal können wir uns auch einen Tag lang nicht leiden, logisch. So ist das doch bei allen Geschwistern“, meint Stephan, als es draußen laut und langgezogen hupt und der zweite Großkran samt Ausrüstungstiefladern auf das Hafengelände einbiegt. „Aber miteinander arbeiten läuft bei uns einfach. Weil jeder seine Aufgabe kennt und wir uns blind verstehen“, betont er noch, als sie sich die dicken Regenjacken überwerfen und aus dem BF 3 hüpfen.

Die in Plane eingepackten Motoren stehen nicht in „Griffweite“, da Bahngleise über das Kai führen und die Spedition diese beim Abladen nicht blockieren durfte. Darum hebt der Terex AC 500-2, das größte Trumm im Kranfuhrpark von Scholpp, die riesigen Blöcke zuerst alleine näher ans Wasser. Dann positioniert er sich, „Umsetzen“ nennen es die Profis, für den Tandemhub ins Schiff nochmal neu in einer Linie mit dem 350er. So lautet nach der Begrüßung der Kollegen und einer kurzen Besprechung der beiden Teams der Plan. Los geht’s.

Zuerst nimmt sich Kranfahrer Jens die Matratzen, schwere stählerne Unterlagen für die Kranstützen, von Thorstens Auflieger und verteilt sie an den entsprechenden Plätzen. Dann hievt der Liebherr sich die Ballastbrücke, das Trägerelement für die Gewichte, auf den Buckel. Die ganzen „Bauteile“ mit dicken Stahlseilen anhängen, an die richtige Stelle bugsieren, wieder abhängen und sichern, übernehmen Stephan und Thorsten. Auf Thorstens Trailer sind außerdem noch 20 Tonnen Ballast in Form von vier knallroten Stahlklötzen angereist. Als alles verbaut ist, fährt Thorsten seinen Zug weg und Stephan zieht seinen Arocs 2858 Dreiachser neben den Kran. Rein optisch sehen die weiteren zehn Ballaststücke auf seiner Ladefläche ja nach nicht viel aus. Doch jedes davon wiegt zehn Tonnen. Stephan ist mit schlanken 100 Tonnen unterwegs. Für ihn kein großes Ding. Mit einer Ballastierhilfe, einer Art Dorn, auf den man die Stahlklötze „aufpickt“, stapeln die Jungs ruckzuck die insgesamt 120 Tonnen Gegengewicht auf den Kran. Nun fehlt nur noch eine größer dimensionierte Hakenflasche, das Teil mit den Umlenkrollen, an dem der Haken hängt, und das durch Stahlseile mit dem Kran verbunden wird, und der Riesenbausatz ist komplett. Die Handgriffe mit Seilen, Ketten, Schäkeln, Bolzen und so weiter sitzen, die Kommunikation ist unaufgeregt. Die ganze Prozedur dauert trotz miesem Wetter nicht viel länger als 30 Minuten und Stephan, Thorsten, Jens und Gerhard können noch der Mannschaft vom zweiten Kran beim Aufbau helfen. Man erahnt, die Herren haben dieses überdimensionale Puzzle aus Stahl schon öfter gemacht.

Neben den wunderbaren Technikbaukästen für große Jungs, ist es vor allem das gute Miteinander was die beiden schätzen.

Langeweile bei der Arbeit bedeutet die Routine in den Abläufen allerdings nicht. Das Gegenteil ist der Fall, schildern Stephan und Thorsten. Der eigentliche Auftrag ist nämlich fast jeden Tag ein anderer. Dabei sind die Gegebenheiten immer unterschiedlich und oft eine Herausforderung. Denn wo der Kran gebraucht wird, müssen auch sie mit ihren Sattelzügen hin. Straße, Baustelle, Hafen, Hof, Feld, Wald, Wiese oder mitten drin in der Stadt – egal was kommt, die Truppe muss sich dafür vor Ort eine Lösung einfallen lassen. Technisches Verständnis, Vorstellungsvermögen, Eigenverantwortung und Teamwork sind gleichermaßen gefragt. Neben der Kranbegleitung übernehmen die Brüder außerdem, wenn etwas ansteht, Schwertransporte für die Scholpp Montage GmbH und sind dann mit Generatoren, Pressenteilen und vielem mehr unterwegs. Das Fahren mit ihren beiden Mercedes-Benz Dreiachsern und verschiedenen Trailern kommt also auch nicht zu kurz. Wäre ja auch schade, die Fahrzeuge im Fuhrpark von Scholpp sind nämlich ebenso wenig von der Stange, wie die Aufgaben, die damit bewältigt werden. Neben den wunderbaren Technikbaukästen für große Jungs, ist es aber vor allem das gute Miteinander was die beiden besonders schätzen: „Wir sind bei Scholpp so viele feine Kollegen, da bleibt man auch oft nach Feierabend noch in der Firma zum Grillen oder schraubt zusammen an den Fahrzeugen.“

Jetzt geht es aber erstmal um das Anschlagen der Motoren am Terex. Anschlagen? „Festmachen zum Heben“, erklärt Thorsten. Dazu braucht es vier fette Schäkel, um die Last an die armdicken Zugseile zu hängen. Die passenden Muttern, mit denen Stephan die hufeisenförmigen 50-Kilo-Brummer sichert, haben den Durchmesser eines Kuchentellers. Mit vereinten Kräften präparieren die Jungs das schwere Arbeitsmaterial. Danach müssen sie die gut verzurrte Abdeckplane lösen, mit der Hebebühne nach oben auf den Motorblock fahren, die Plane zurückzuschlagen und die Anschlagpunkte freilegen. Wenig später hängt der riesige Klotz sprichwörtlich in der Luft, wird kurz und sachte herumgeschwenkt, als wöge er nichts, und landet näher am Wasser wieder auf dem Boden. Hoch auf das Ding, abhängen, wieder runter und das gleiche Spiel nochmal mit Nummer zwei. Dass es nebenher ununterbrochen regnet und inzwischen alle Kollegen leicht eingeweicht sind: Berufsrisiko. Nun zieht der Terex auch an die Kai-Kante um. Das sind nur wenige Meter. Trotzdem müssen natürlich der Ausleger eingezogen, die Stützen angeklappt und die Matratzen eingesammelt werden – und an der neuen Position alles nochmal aufgestellt. Dann ist wieder zwei Mal anschlagen angesagt, jetzt mit je zwei Seilen pro Kran. Zusammen heben Jens und sein Kollege im anderen Kran die Motoren in den Lastenkahn, der zuvor anderthalb Meter über die Kante lugte und sich hinterher mühelos ebenerdig entern lässt. Immerhin drücken ihn jetzt nahezu 400 Tonnen Ladung in den Neckar. Noch schnell die Schutzplanen über den Motoren wieder festzurren und das Schiff kann sich auf den Weg machen. Schaulustige waren heute zur Abwechslung übrigens keine da. Bei Einsätze wie einem Brückeneinhub, dem Aufstellen eines gigantischen Baukrans für ein Hochhaus und vielen anderen spannenden Jobs, sind aber regelmäßig Schwerlast- und Kran-Fans vor Ort. Immer mit Fotokamera und gerne auch mal mit Campingklappstuhl. Dieser Beruf fasziniert offensichtlich nicht nur die, die ihn ausüben.

Auf den Weg macht sich dann am späten Nachmittag auch die ganze Scholpp-Truppe – und zwar erstmal mit den beiden BF 3 zu einem Bäcker in der Stadt, sich verdienter Weise etwas trockenlegen vorm Abbau und der Heimfahrt. Bei warmen Getränken und süßen Stückle erzählen Stephan und Thorsten noch davon, dass ein großer Scholpp-Fan den ganzen Fuhrpark als Modelle in 1:87 nachbaut, auch ihre beiden Mercedes. Das empfinden sie als eine Ehre. Die zwei sind sich einig: „Es ist die Kombination aus allem, was wir bei dieser Arbeit erleben können, und dem Gefühl, einfach eine richtig gute Truppe zu sein. Dafür lieben wir unseren Job.“

SCHWER VERLIEBT

Fotos & Text: Sandra Moser

Große Kräne, gigantische Lasten, Sattelzüge mit vielen Achsen, tägliche neue Aufgabenstellungen und dabei fast immer was zu lachen – deshalb lieben Stephan und Thorsten Ludwig ihren Job.

Es regnet. Bindfäden. „Bei schönem Wetter kann es ja jeder“, Stephan Ludwig lächelt, obwohl das Regenwasser von seinem roten Helm in seinen Jackenkragen tropft. Es, das ist heute das Verladen von zwei jeweils knapp 200 Tonnen schweren Schiffsdieseln, die vom Heilbronner Hafen aus per Lastenkahn zu einer Werft nach Norddeutschland transportiert werden. An der Kai-Kante bringt Kranfahrer Jens Schmidt gerade seinen Liebherr 350 LTM 1350 6.1 in Position und daneben fährt ein Actros 2855 Sattelschlepper mit Ausrüstungsmaterial für den Kran vor. Aus dem Fahrerhaus steigt Thorsten Ludwig, Stephans jüngerer Bruder. Beide arbeiten als Lkw-Fahrer für Kranbegleitung und Maschinenmontage bei der Scholpp Kran & Transport GmbH aus Stuttgart und rüsten den Liebherr für die anstehende Aufgabe.

Die Begeisterung für tonnenschwere Kräne und Lkw-Gespanne mit ganz vielen Lenkachsen liegt bei Stephan und Thorsten in der Familie. Denn die zwei machen das schon in dritter Generation. Angefangen hat alles mit ihrem Großvater Manfred, der bereits Ende der 1960er Jahren mit einem der ersten Teleskopkrane Europas für Scholpp unterwegs war. „Den Grove TM 225 hatte Scholpp damals aus den USA importiert und später stand er sogar eine Weile im Technikmuseum Sinsheim“, erzählt Stephan. „Unserem Opa folgten sein Sohn und seine Schwiegersöhne. Einer davon ist Thomas, unser Vater. Er ist jetzt Teamleiter Minikrane“, ergänzt Thorsten. Dass früher ihre Großmutter und eine Tante ebenfalls bei Scholpp im Büro arbeiteten, fällt ihnen auch noch ein, als sie kurz darüber nachdenken. Noch jemand vergessen? „Na, jedenfalls war immer irgendwie die halbe Familie auf dem Firmengelände zugange und wir als Kinder natürlich mit dabei. Da musste das ja fast so kommen“, bringt Stephan die Geschichte der familiären Verbundenheit zu ihrem Arbeitgeber auf den Punkt, zuckt ergeben mit den Schultern und zwinkert mit einem Auge. Der 32-Jährige ist seit elf Jahren bei Scholpp, sein 27-jähriger Bruder mit einer kleinen Unterbrechung seit sechs Jahren. Kollege Gerhard Krieg, der heute das Begleitfahrzeug für Kran und Sattelzüge fährt und selbst schon Jahrzehnte bei Scholpp arbeitet, erinnert sich noch gut an ihren Opa und an die zwei, als sie noch Kinder waren: „Der hier“, sagt Gerhard und knufft Stephan in die Seite, „ist als kleiner Knirps immer mit dem Bobby-Car in den Hallen rumgedüst.“ „Ja, und wenn ich keinen Anhänger dazu hatte, hab’ ich geheult“, grinst Stephan. „Das machst du doch heute auch noch so“, neckt ihn Thorsten. Die drei lachen lauthals los.

Denkt man in so einem Moment nicht manchmal über einen gepflegten Bürojob nach? „Nein! Absolut nicht.“

Für das Verladen der riesigen Motoren braucht es wegen der großen Auslage beim Hinabheben in das Lastenschiff einen zweiten Kran. Der Terex AC 500-2 und seine Mannschaft kommen aus der Scholpp-Niederlassung in Karlsruhe und stecken noch im Stau auf der Autobahn. Die Wartezeit nutzen Stephan, Thorsten, Gerhard und Jens für einen kurzen Abstecher zum nahegelegenen Raiffeisen-Werk, wo auch Werksfremde einen Kaffee und ein belegtes Brötchen kaufen können. „Die Rangliste der bemerkenswertesten Aufträge, die wir bisher hatten, hängt selbstverständlich davon ab, wo die beste Kantine war“, erklärt Thorsten dabei ganz trocken und breit grinsend, „Verpflegung ist schließlich wichtig.“ Wieder lacht die ganze Truppe schallend. In Sachen Futter und Humor sind sie sich offensichtlich einig.

Während es weiter regnet und der zweite Kran noch immer auf sich warten lässt, sitzen die vier im BF 3 und diskutieren über die denkwürdigsten Jobs bisher. Der Laptop kommt auf den Ablagetisch, eine umfangreiche Bildershow mit vielen verschiedensten Einsätzen startet und alle fangen ganz beseelt zu lächeln an. „Hier.“ „Oder da.“ „Oder das.“ An den imposanten Fotos vom 350er-Kran mit aufgesetzter Wippe, eine neigbare Verlängerung des Teleskopauslegers aus Gittermastelementen, bleiben die Kollegen hängen. „Oh, ja, das war auch so ne’ Nummer.“ Um genau zu sein: Im bayrischen Altusried die riesigen Rotorblätter von Windrädern austauschen. Stephan erinnert sich: „Da scheinte genau am ersten Tag die Sonne, den Rest der Woche hat’s geschüttet. Wir waren zum Übernachten im Hotel, aber in den Lkw hing bei Standheizung alles voll mit Klamotten zum Trocknen.“ Am Ende ging der ganze Trupp sogar gesammelt los und kaufte sich Gummistiefel, weil die Arbeitsschuhe nicht mehr dichthielten. Denkt man in so einem Moment nicht manchmal über einen gepflegten Bürojob nach? „Nein! Absolut nicht. Das ginge für uns gar nicht“, antworten beide Brüder sofort.

„Lkw-Fahren oder mit den Händen werkeln beim Aufbau eines Krans, das mag ich einfach. Ruhig rumsitzen ist nicht mein Ding “, beschreibt Thorsten das was ihm an seinem Job gefällt. Sein Bruder sieht es ganz ähnlich: „Mich fasziniert nach wie vor die Krantechnik, mit der wir täglich umgehen, und was man damit alles „schaffen“ und bewegen kann. Außerdem fahre ich total gern mit meinem festen Lkw und ich verbringe öfters Zeit in der Werkstatt und bastle was daran rum oder pflege ihn.“ Wie beim heutigen Einsatz sind die Brüder meistens im gleichen Team zusammen unterwegs und das sogar am liebsten. „Manchmal können wir uns auch einen Tag lang nicht leiden, logisch. So ist das doch bei allen Geschwistern“, meint Stephan, als es draußen laut und langgezogen hupt und der zweite Großkran samt Ausrüstungstiefladern auf das Hafengelände einbiegt. „Aber miteinander arbeiten läuft bei uns einfach. Weil jeder seine Aufgabe kennt und wir uns blind verstehen“, betont er noch, als sie sich die dicken Regenjacken überwerfen und aus dem BF 3 hüpfen.

Die in Plane eingepackten Motoren stehen nicht in „Griffweite“, da Bahngleise über das Kai führen und die Spedition diese beim Abladen nicht blockieren durfte. Darum hebt der Terex AC 500-2, das größte Trumm im Kranfuhrpark von Scholpp, die riesigen Blöcke zuerst alleine näher ans Wasser. Dann positioniert er sich, „Umsetzen“ nennen es die Profis, für den Tandemhub ins Schiff nochmal neu in einer Linie mit dem 350er. So lautet nach der Begrüßung der Kollegen und einer kurzen Besprechung der beiden Teams der Plan. Los geht’s.

Zuerst nimmt sich Kranfahrer Jens die Matratzen, schwere stählerne Unterlagen für die Kranstützen, von Thorstens Auflieger und verteilt sie an den entsprechenden Plätzen. Dann hievt der Liebherr sich die Ballastbrücke, das Trägerelement für die Gewichte, auf den Buckel. Die ganzen „Bauteile“ mit dicken Stahlseilen anhängen, an die richtige Stelle bugsieren, wieder abhängen und sichern, übernehmen Stephan und Thorsten. Auf Thorstens Trailer sind außerdem noch 20 Tonnen Ballast in Form von vier knallroten Stahlklötzen angereist. Als alles verbaut ist, fährt Thorsten seinen Zug weg und Stephan zieht seinen Arocs 2858 Dreiachser neben den Kran. Rein optisch sehen die weiteren zehn Ballaststücke auf seiner Ladefläche ja nach nicht viel aus. Doch jedes davon wiegt zehn Tonnen. Stephan ist mit schlanken 100 Tonnen unterwegs. Für ihn kein großes Ding. Mit einer Ballastierhilfe, einer Art Dorn, auf den man die Stahlklötze „aufpickt“, stapeln die Jungs ruckzuck die insgesamt 120 Tonnen Gegengewicht auf den Kran. Nun fehlt nur noch eine größer dimensionierte Hakenflasche, das Teil mit den Umlenkrollen, an dem der Haken hängt, und das durch Stahlseile mit dem Kran verbunden wird, und der Riesenbausatz ist komplett. Die Handgriffe mit Seilen, Ketten, Schäkeln, Bolzen und so weiter sitzen, die Kommunikation ist unaufgeregt. Die ganze Prozedur dauert trotz miesem Wetter nicht viel länger als 30 Minuten und Stephan, Thorsten, Jens und Gerhard können noch der Mannschaft vom zweiten Kran beim Aufbau helfen. Man erahnt, die Herren haben dieses überdimensionale Puzzle aus Stahl schon öfter gemacht.

Neben den wunderbaren Technikbaukästen für große Jungs, ist es vor allem das gute Miteinander was die beiden schätzen.

Langeweile bei der Arbeit bedeutet die Routine in den Abläufen allerdings nicht. Das Gegenteil ist der Fall, schildern Stephan und Thorsten. Der eigentliche Auftrag ist nämlich fast jeden Tag ein anderer. Dabei sind die Gegebenheiten immer unterschiedlich und oft eine Herausforderung. Denn wo der Kran gebraucht wird, müssen auch sie mit ihren Sattelzügen hin. Straße, Baustelle, Hafen, Hof, Feld, Wald, Wiese oder mitten drin in der Stadt – egal was kommt, die Truppe muss sich dafür vor Ort eine Lösung einfallen lassen. Technisches Verständnis, Vorstellungsvermögen, Eigenverantwortung und Teamwork sind gleichermaßen gefragt. Neben der Kranbegleitung übernehmen die Brüder außerdem, wenn etwas ansteht, Schwertransporte für die Scholpp Montage GmbH und sind dann mit Generatoren, Pressenteilen und vielem mehr unterwegs. Das Fahren mit ihren beiden Mercedes-Benz Dreiachsern und verschiedenen Trailern kommt also auch nicht zu kurz. Wäre ja auch schade, die Fahrzeuge im Fuhrpark von Scholpp sind nämlich ebenso wenig von der Stange, wie die Aufgaben, die damit bewältigt werden. Neben den wunderbaren Technikbaukästen für große Jungs, ist es aber vor allem das gute Miteinander was die beiden besonders schätzen: „Wir sind bei Scholpp so viele feine Kollegen, da bleibt man auch oft nach Feierabend noch in der Firma zum Grillen oder schraubt zusammen an den Fahrzeugen.“

Jetzt geht es aber erstmal um das Anschlagen der Motoren am Terex. Anschlagen? „Festmachen zum Heben“, erklärt Thorsten. Dazu braucht es vier fette Schäkel, um die Last an die armdicken Zugseile zu hängen. Die passenden Muttern, mit denen Stephan die hufeisenförmigen 50-Kilo-Brummer sichert, haben den Durchmesser eines Kuchentellers. Mit vereinten Kräften präparieren die Jungs das schwere Arbeitsmaterial. Danach müssen sie die gut verzurrte Abdeckplane lösen, mit der Hebebühne nach oben auf den Motorblock fahren, die Plane zurückzuschlagen und die Anschlagpunkte freilegen. Wenig später hängt der riesige Klotz sprichwörtlich in der Luft, wird kurz und sachte herumgeschwenkt, als wöge er nichts, und landet näher am Wasser wieder auf dem Boden. Hoch auf das Ding, abhängen, wieder runter und das gleiche Spiel nochmal mit Nummer zwei. Dass es nebenher ununterbrochen regnet und inzwischen alle Kollegen leicht eingeweicht sind: Berufsrisiko. Nun zieht der Terex auch an die Kai-Kante um. Das sind nur wenige Meter. Trotzdem müssen natürlich der Ausleger eingezogen, die Stützen angeklappt und die Matratzen eingesammelt werden – und an der neuen Position alles nochmal aufgestellt. Dann ist wieder zwei Mal anschlagen angesagt, jetzt mit je zwei Seilen pro Kran. Zusammen heben Jens und sein Kollege im anderen Kran die Motoren in den Lastenkahn, der zuvor anderthalb Meter über die Kante lugte und sich hinterher mühelos ebenerdig entern lässt. Immerhin drücken ihn jetzt nahezu 400 Tonnen Ladung in den Neckar. Noch schnell die Schutzplanen über den Motoren wieder festzurren und das Schiff kann sich auf den Weg machen. Schaulustige waren heute zur Abwechslung übrigens keine da. Bei Einsätze wie einem Brückeneinhub, dem Aufstellen eines gigantischen Baukrans für ein Hochhaus und vielen anderen spannenden Jobs, sind aber regelmäßig Schwerlast- und Kran-Fans vor Ort. Immer mit Fotokamera und gerne auch mal mit Campingklappstuhl. Dieser Beruf fasziniert offensichtlich nicht nur die, die ihn ausüben.

Auf den Weg macht sich dann am späten Nachmittag auch die ganze Scholpp-Truppe – und zwar erstmal mit den beiden BF 3 zu einem Bäcker in der Stadt, sich verdienter Weise etwas trockenlegen vorm Abbau und der Heimfahrt. Bei warmen Getränken und süßen Stückle erzählen Stephan und Thorsten noch davon, dass ein großer Scholpp-Fan den ganzen Fuhrpark als Modelle in 1:87 nachbaut, auch ihre beiden Mercedes. Das empfinden sie als eine Ehre. Die zwei sind sich einig: „Es ist die Kombination aus allem, was wir bei dieser Arbeit erleben können, und dem Gefühl, einfach eine richtig gute Truppe zu sein. Dafür lieben wir unseren Job.“